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Beispiel aus der Praxis

Brutto-Gehaltserhöhung 5,5 Prozent: Warum die Netto-Differenz kleiner ausfällt als gedacht

Eine Brutto-Erhöhung von 5,5 Prozent klingt gut, aber netto kommt deutlich weniger an. Vorher/Nachher-Vergleich mit Steuersatz-Effekt.

Ein 38-jähriger Angestellter in Hamburg, Steuerklasse 1, kinderlos, kirchensteuerpflichtig, bekommt eine Gehaltserhöhung. Bisheriges Brutto: 3.800 Euro pro Monat. Der Arbeitgeber bietet eine Erhöhung um 5,5 Prozent an. Auf dem Papier hört sich das gut an, doch netto fällt der Unterschied spürbar kleiner aus. Wir rechnen den Effekt durch.

Brutto-Erhöhung in Euro

Formel: Neues Brutto = Altes Brutto × (1 + p/100) = 3.800 € × (1 + 5,5/100) = 3.800 € × 1,055 = 4.009,00 Euro.

Brutto-Differenz: 4.009 € - 3.800 € = 209 Euro pro Monat mehr. Übers Jahr sind das 12 × 209 € = 2.508 Euro brutto.

Wo das Geld auf dem Weg zum Netto verloren geht

Aus dem Brutto werden in Deutschland abgezogen:

  • Lohnsteuer nach dem progressiven Tarif (steigt mit dem Einkommen)
  • Solidaritätszuschlag (nur bei Spitzenverdienern, bei 3.800 Euro Brutto in Steuerklasse 1 ohne Soli)
  • Kirchensteuer 9 Prozent der Lohnsteuer (in Hamburg)
  • Rentenversicherung 9,3 Prozent (AN-Anteil 2026)
  • Arbeitslosenversicherung 1,3 Prozent (AN-Anteil)
  • Krankenversicherung 7,3 Prozent + Zusatzbeitrag (Mittelwert 2026: rund 1,9 Prozent, AN-Anteil)
  • Pflegeversicherung 2,3 Prozent (kinderlos, AN-Anteil)

Die Sozialabgaben sind annähernd linear (Prozentsatz vom Brutto, bis zur Beitragsbemessungsgrenze), die Lohnsteuer dagegen progressiv. Genau hier liegt der Effekt.

Vorher / Nachher (Steuerklasse 1, Hamburg, 2026, ohne Kinder)

Position Vorher Nachher Differenz
Brutto-Monatsgehalt3.800,00 €4.009,00 €+209,00 €
Lohnsteuer-571,00 €-639,75 €-68,75 €
Kirchensteuer 9 %-51,39 €-57,58 €-6,19 €
Sozialabgaben rund 22,1 %-839,80 €-885,99 €-46,19 €
Netto2.337,81 €2.425,68 €+87,87 €

Werte sind gerundet, ohne Soli (Einkommen unter Freigrenze), Zusatzbeitrag GKV 1,9 Prozent, mittlere Werte 2026. Reale Werte können je nach Krankenkasse und Kind-Status um wenige Euro abweichen.

Was bedeutet das in Prozent?

Brutto-Erhöhung: 5,50 Prozent vom alten Brutto.

Netto-Erhöhung: 87,87 € / 2.337,81 € × 100 = 3,76 Prozent vom alten Netto.

Die Faustregel "Vom Brutto bleibt knapp die Hälfte netto" gilt für die Erhöhung sogar noch deutlicher: Von den 209 Euro Brutto-Mehr kommen nur 87,87 Euro netto an, also rund 42 Prozent. Der Rest geht zu 33 Prozent in Steuern und Soli, zu 22 Prozent in Sozialabgaben und zu 3 Prozent in die Kirchensteuer.

Verhandlungs-Lehre

Wer 5,5 Prozent Brutto-Erhöhung verhandelt hat, sollte mental nicht mit 5,5 Prozent mehr Netto rechnen. Realistisch sind grob 3,5 bis 4 Prozent mehr Netto in dieser Einkommensklasse. Bei der nächsten Verhandlung lohnt es, parallel über nicht-monetäre Bestandteile nachzudenken: Jobticket (sozialabgabenfrei bis 50 Euro), Gesundheitsbudget, Sachbezüge oder eine Erhöhung der Tagespauschale für Homeoffice. Diese Bausteine werden steuerlich begünstigt und kommen brutto wie netto stärker an.

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