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Ratgeber · Prozentrechnung 2026

Aufschlagskalkulation Schritt für Schritt

Die klassische Vorwärtskalkulation im Handel mit allen Stufen, dazu die Rückwärtskalkulation, wenn nur der Listenpreis am Markt feststeht.

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Von Jan-Tristan Rudat

Redakteur prozent-ausrechnen.de

9 min Lesezeit Veröffentlicht
Hinweis: Redaktioneller Inhalt. Mathematischer Rechner ohne Beratungsanspruch.

Aufschlagskalkulation: Vom Einkauf zum Verkauf

Die Aufschlagskalkulation ist die Standardmethode im Handel, um aus einem Einkaufspreis einen marktgerechten Verkaufspreis zu bilden. Sie arbeitet schrittweise: Auf jeden Zwischenpreis wird ein definierter Prozentsatz aufgeschlagen, bis am Ende der Listenpreis steht.

Im Gegensatz zur reinen Marge-Betrachtung legt die Aufschlagskalkulation jeden einzelnen Kostenblock offen, was sie zur bevorzugten Methode in Industrie und Großhandel macht. Wer transparent kalkuliert, kann auch in Verhandlungen mit Lieferanten und Kunden jeden Wert begründen.

Die Stufen der Kalkulation

StufeBezeichnungWas passiert
1Listenpreis EKPreis, den der Lieferant nennt
2LiefererrabattAbzug für treue Kunden
3ZieleinkaufspreisNach Rabatt
4LiefererskontoBei schneller Zahlung
5BareinkaufspreisTatsächlich gezahlt
6BezugskostenFracht, Zoll, Versicherung
7BezugspreisAufwand bis Lager
8HandlungskostenPersonal, Miete, Verwaltung
9SelbstkostenpreisAlle Kosten
10GewinnzuschlagGewünschte Marge
11BarverkaufspreisVor Vertriebsrabatten
12KundenskontoBei schneller Zahlung
13ZielverkaufspreisNach Skonto
14KundenrabattListenrabatt
15ListenverkaufspreisSo am Markt sichtbar

Voll durchgerechnetes Beispiel

Annahme: Einkaufspreis netto 100 €, Lieferer gewährt 10 % Rabatt und 2 % Skonto. Bezugskosten 5 €. Handlungskosten 20 %. Gewinnzuschlag 30 %. Wir gewähren dem Kunden 3 % Skonto und 5 % Rabatt.

StufeRechnungWert
Listenpreis EK100,00 €
- 10 % Rabatt100 × 0,1010,00 €
Zieleinkaufspreis90,00 €
- 2 % Skonto90 × 0,021,80 €
Bareinkaufspreis88,20 €
+ Bezugskosten5,00 €
Bezugspreis93,20 €
+ 20 % Handlungskosten93,20 × 0,2018,64 €
Selbstkostenpreis111,84 €
+ 30 % Gewinn111,84 × 0,3033,55 €
Barverkaufspreis145,39 €
/ (1 - 0,03) Skonto145,39 / 0,97149,89 €
/ (1 - 0,05) Rabatt149,89 / 0,95157,78 €
Listenverkaufspreis netto157,78 €
+ 19 % MwSt157,78 × 1,19187,76 €
Listenverkaufspreis brutto187,76 €

Aus 100 Euro Einkauf werden 187,76 Euro Endverbraucherpreis, ein Faktor von 1,88. Das entspricht einer Brutto-Marge von rund 47 % auf den Verkaufspreis oder einem Gesamt-Aufschlag von 88 %.

Wichtig: Skonto und Rabatt rückwärts

Im Vertrieb (Stufen 12-14) wird nicht multipliziert, sondern dividiert: Wenn der Kunde 5 % Rabatt bekommt, soll der Verkäufer trotzdem den Barverkaufspreis erzielen. Also: VK = Barpreis / (1 - Rabatt). Das ist der häufigste Fehler in Klausuren wie in der Praxis. Wer hier multipliziert (Barpreis × 1,05), verliert systematisch Geld, weil der Rabatt am Ende vom zu niedrigen Verkaufspreis abgezogen wird.

Vorwärts- und Rückwärtskalkulation im Schema EK Liste ↓ Vorwärts Bezugspreis + Rabatt, Skonto, Fracht SK-Preis + Handlungskosten VK Brutto + Gewinn, Rabatt, MwSt ↑ Rückwärts: Bei vorgegebenem Marktpreis zurück zum maximalen EK
Aufschlagskalkulation in zwei Richtungen: Vorwärts zum Verkaufspreis, rückwärts zum maximal akzeptablen Einkaufspreis.

Rückwärtskalkulation: Was darf ich höchstens zahlen?

Wenn der Markt nur 199 € brutto akzeptiert, wie viel darf der Einkauf maximal kosten?

  1. 199 / 1,19 = 167,23 € netto Listenpreis
  2. 167,23 × 0,95 (Rabatt) × 0,97 (Skonto) = 154,13 € Barverkaufspreis
  3. 154,13 / 1,30 (Gewinn) = 118,56 € Selbstkostenpreis
  4. 118,56 / 1,20 (Handlung) = 98,80 € Bezugspreis
  5. 98,80 - 5 = 93,80 € Bareinkaufspreis
  6. 93,80 / 0,98 (Skonto) / 0,90 (Rabatt) = 106,35 € Listenpreis EK maximal.

Diese Methode ist nützlich, wenn der Marktpreis fix ist (z.B. Buchpreisbindung) und der Einkäufer aushandelt, was er beim Lieferanten höchstens zahlen kann, um auf die geplante Marge zu kommen.

Differenzkalkulation: Wenn Markt-VK gegeben und EK-Verhandlungspreis gegeben sind

Manchmal stehen sowohl Marktpreis als auch Einkaufspreis schon fest, und der Kaufmann will wissen, ob das Geschäft überhaupt lohnt. Das nennt sich Differenzkalkulation:

  1. Aus dem Markt-VK den Barverkaufspreis ableiten (rückwärts über Rabatte, Skonto, MwSt)
  2. Aus dem EK den Selbstkostenpreis ableiten (vorwärts über Bezugskosten, Handlungskosten)
  3. Differenz zwischen beiden ist der erzielbare Gewinn
  4. Gewinn / Selbstkostenpreis × 100 = Gewinnzuschlag in %

Wenn der ermittelte Gewinnzuschlag unter dem Branchen-Durchschnitt liegt, ist das Geschäft unattraktiv und der Einkäufer muss weiterverhandeln.

Wo die Methode an Grenzen stößt

Die Aufschlagskalkulation funktioniert gut für Standardware mit klaren Margenstrukturen. Bei stark schwankenden Wettbewerbspreisen, bei Saisonware oder bei dynamischen Online-Märkten greifen heute eher Pricing-Strategien wie Value-Based-Pricing, Competitor-Based-Pricing oder algorithmische Repricing-Systeme. Die Aufschlagskalkulation bleibt aber als interne Kontrolle relevant: Sie zeigt die Mindest-Verkaufspreise, unter denen kein Gewinn mehr übrig ist.

Der Rechner auf dieser Seite hilft beim Aufschlag, bei der MwSt-Berechnung und bei der Marge-Aufschlag-Umrechnung. Für die mehrstufige Kalkulation bietet sich daneben eine Tabellenkalkulation an, in der die einzelnen Stufen konfigurierbar bleiben.

Quellen: Sommer/Hubertus, "Industrielles Rechnungswesen IKR" (Winklers, 2024); Wöhe/Döring, "Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre" (Vahlen, 2025); IHK-Lehrmaterial Großhandelskaufmann.

Häufige Fragen

Was Leserinnen und Leser sonst noch fragen

Was ist die Aufschlagskalkulation?
Eine schrittweise Methode im Handel, um aus einem Einkaufspreis einen Verkaufspreis zu bilden. Auf jeden Zwischenpreis wird ein definierter Prozentsatz aufgeschlagen, bis am Ende der Listenpreis steht. Insgesamt 15 Stufen vom Listenpreis EK bis zum Listenpreis VK brutto.
Warum wird Skonto und Rabatt rückwärts gerechnet (Division statt Multiplikation)?
Weil der Verkäufer trotz der Vertriebsrabatte den Barverkaufspreis erzielen will. Beispiel: Bei 5 % Kundenrabatt müsste der Zielpreis vom Barpreis abgezogen werden. Statt Multiplikation mit 1,05 (das wäre falsch) gilt: VK = Barpreis / (1 - 0,05) = Barpreis / 0,95. So bleibt der gewünschte Erlös unverändert.
Was ist die Rückwärtskalkulation?
Wenn der Marktpreis fix ist (z.B. Buchpreisbindung) und der Einkäufer ermittelt, wie viel er beim Lieferanten höchstens zahlen darf. Die Rechnung läuft von oben nach unten durch die Kalkulationsstufen, wobei jeweils dividiert statt multipliziert wird. Das Ergebnis ist der maximale Listenpreis EK.
Wann lohnt die Aufschlagskalkulation in der Praxis?
Bei Standardware mit klaren Margenstrukturen und kalkulierbaren Bezugskosten, etwa im Großhandel und in der klassischen Industriefertigung. Bei dynamischen Online-Märkten greifen heute eher Value-Based-Pricing und algorithmisches Repricing. Die Aufschlagskalkulation bleibt als interne Kontrolle relevant.
Was ist die Differenzkalkulation?
Wenn sowohl Marktpreis als auch Einkaufspreis fix sind, lässt sich der erzielbare Gewinn als Differenz beider Werte berechnen. Daraus ergibt sich der Gewinnzuschlag in Prozent, der mit dem Branchen-Durchschnitt verglichen wird. Liegt er deutlich darunter, ist das Geschäft unattraktiv und der Einkäufer muss weiterverhandeln.
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